stille Bambi-Post



Man nehme einen Roman der in Österreich geschrieben wurde, übersetze ihn ins Englische, verfilme ihn in Amerika und synchronisiere ihn dann ins Deutsche - kurios, was bei einem solchen "stille Post-Spiel" rauskommt:

1923, im ursprünglichen Roman von Felix Salten (Siegfried Salzmann), war die Welt noch in Ordnung: Bambi war ein Rehkitz, seine Mutter eine Rehgeiß und sein Vater ein Rehbock. 1929 wurde das Buch ins Englische übersetzt, das Wort "deer", das für jegliches Rotwild steht, legte hier vermutlich die Weichen, an denen die Übertragung ins US-Amerikanische später verhängnisvoll falsch abzweigte. In Nordamerika gibt es keine Rehe, also wurde der Hauptdarsteller 1942 in Disneys Verfilmung kurzer Hand zum dort wohlbekannten Weißwedelhirsch. Die eigentliche Tragödie wurde dann 1950 offenbar, als die Geschichte von Felix Salten in die deutschsprachigen Kinos zurückkehrte: Man hatte sich hoffnungslos in waidmännische Unkenntnis und babelfishige Übersetzungsketten verstrickt. Nachdem der Roman von Sprache zu Sprache und von Kontinent zu Kontinent gezerrt worden war, wusste Bambi selbst nicht mehr wo ihm der Kopf stand und so bog er in der Pubertät wohl falsch ab und wurde vom Rehkitz zum Hirsch. Da wird man doch zum Elch, oder?
(Liebe Kinder: Aus einem Rehkitz wird eine Rehgeiß oder ein Rehbock; aus einem Hirschkalb eine Hirschkuh oder ein Hirsch. Vermischen lässt sich da sicher nichts!)
Und keiner findet es notwendig, diese (inzwischen seit 58 Jahren, also bald 3 Generationen lang im Umlauf befindliche) Kinderverdummung zu korrigieren.

Wer weiß was passiert wäre, hätte Saltens "Josefine Mutzenbacher" diesen Weg genommen - nicht auszumalen. Oder wer weiß? Vielleicht wurde ja in Wirklichkeit der Grundstein zu Frankensteins Monster so gelegt?

Die "Rehe" auf dem Foto sind übrigens aus Ziegenfell gefertigt. Pervers, oder?

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