schaize Lift



Ich warte auf den Lift. Der Lift kommt. Die Dame, die schon vor mir da stand und ich, wir steigen ein. Alles bestens. Wie schön kann doch Liftfahren sein. Wir wollen beide ganz hinauf, also wird der Knopf für die oberste Etage gedrückt. Es kann los gehen.

Im Halbstock hält der Lift. Eine alte Dame kommt gemächlich hereingewackelt. Bitte gerne, fahren Sie mit, es gibt noch reichlich Platz hier!
Die Tür geht schon zu aber 5 Jugendliche stürmen noch die Liftkabine mit Gewackel und Gerempel. Der zuletzt zugestiegene Ed-Hardy-Kapperlträger wirft sich noch in eine ultracoole Pose: Hände hoch, eine links, eine rechts an die Kabinenwand, Spielbein schön raumgreifend - für solche Eier braucht man richtig Platz, jaja, ist ja in Ordnung Kleiner. Mach nur. Die Lifttür versucht sich wieder zu schließen, kann es aber nicht, da diese ultracoole, unbeschreiblich imposant männliche Erscheinung leider ihr vermeintlich gottvolles Hinterteil in den Lichtschranken streckt. Erneutes, inzwischen leicht gereiztes Rempeln und Rücken, begleitet von uuur-lässigem Macho-Gehabe: "Äh, schaize Lift, ääh!", was natürlich durch einen kräftigen Schlag gegen die Glasscheibe unterstrichen werden muss.
Der Lift setzt sich in Bewegung. Nach oben natürlich.
Mitbürger, die zu lässig sind, beim Einsteigen darauf zu achten, ob das Richtungspfeilchen die aktuelle Fahrt als Rauf- oder Runterfahrt deklariert, müssen ihrer Enttäuschung über die falsche Richtung natürlich Ausdruck verleihen: "ÄÄÄH! Ä SCHAIZE LIFT, ÄÄÄ!". KLATSCH! Wieder ein Klaps für den Lift, der offenbar zu gar nix nutze ist.
Himmel hilf. Lass Hirn regnen, segne mich mit Taubheit und Blindheit, stampf das ganze Projekt ein ... mach IRGENDwas!

"Bim", oberstes Stockwerk, die Tür gleitet auf. Dame Nr. 1 und ich steigen aus. Ich bin froh, dass ich es ein ganzes Stockwerk weit geschafft habe, mich so in die Ecke zu drücken, dass die ständig geschüttelte, ehemals hellgefärbte Mähne des Mädels, das der Trupp bei sich hatte, nicht mit mir in Berührung kam. Hatte ich übrigens schon erwähnt, dass ich es recht vorteilhaft finde, wenn sich jemand richtig wäscht, bevor er sich Unmengen von Makeup ins Gesicht schmiert, mit Klunker behängt und in die Highheels schlüpft? Aber egal, das ist ein ganz anderes Thema - genau so, wie "Wie nahe kann ich unnötiger weise rücklinks an meine Mitmenschen randrängeln?" und "Wie laut kann man in einem kleinen Raum, den man mit 7 weiteren Personen teilt auf seinem Kaugummi rumschmatzen, ohne unabsichtlich eine Handtasche ins Kreuz gerammt zu bekommen, obwohl man der Dame hinter sich zu wenig Platz lässt, um vernünftig auszuholen?". Beim Weggehen höre ich noch, wie im Lift mindestens 5 Mal kräftig auf die Abwärtstaste geklopft wird. "Ä, SCHAIZE LIFT, Ääää!" und das feine Stimmchen der alten Dame: "Fährt der Lift denn nicht nach unten?".
Ihr sei verziehen. Die viele Technik mit den vielen Anzeigen und Knöpfchen wird einem irgendwann zu viel. Der "Ähhh, schaize Lift-Kerl" murmelt was von: "Ähhh, jaja, fahren auch runde. Wir auch wolle runde." und das in einem Ton, der mich überrascht und versöhnt. Der alten Dame gegenüber hat Mr. Coolman es tatsächlich geschafft, einen ruhigen und freundlichen Tonfall an den Tag zu legen.

Besteht denn doch noch ein Funke Hoffnung für diese Menschheit? Mal sehen ... ich fürchte, Fortsetzung folgt.

p.s. Nix gegen Ed Hardy, gell!
Cooles Design, aber die Zielgruppe ...!

1 Kommentar:

  1. Coole Geschichte, leider erst jetzt gelesen.

    Danke Frau Petzy, den Typen sah ich vor meinem geistigen Auge. Der hat übrigens auch Kaugummi gekaut. :-)

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Biiitescheeen-daaankescheeen-allesGute!