Waschlappen für Afrika



In der Volksschule bekamen wir regelmäßig Fluortabletten verabreicht - die waren winzig klein und fast geschmacklos - und phasenweise bekam jeder einen Löffel Sanostol. Auf dem Tisch unserer Frau Lehrerin stand eine unbeschreiblich große Flasche von dem Zeug (an der Ecke, an der vier Wochen im Jahr der Adventkranz stand) und ich hasste den Geschmack, aber ich liebte das feierliche Procedere. Es hatte was von Letztem Abendmahl - wir stellten uns in einer Reihe auf und einer nach dem anderen erhielt seine Dosis ... vom selben Löffel natürlich. Damals ging sowas noch, heute würde die Lehrerin wahrscheinlich verklagt.

Und es gab jedes Jahr eine Sammelaktion für arme kleine Kinder in Afrika. Jeder brachte einen Waschlappen, befüllt mit einer Zahnbürste, einer Tube Zahnpasta und einem Stück Seife. Ich freute mich ungeduldig auf diese besonderen Tage. Wir gaben morgens nach Aufruf unsere Spende ab und konnten die "Ausbeute", ein Berg von ca. 30 gefüllten Waschlappen, den ganzen Vormittag lang bewundern. Unser ganzes Klassenzimmer duftete nach Seife. Im Geiste sahen wir, wie all die Waschlappen in Flugzeuge verladen wurden und unter großem Brimborium in Afrika an arme kleine Kinder verteilt wurden. Die Vorstellung, dass aus allen Volksschulen im Bundesland unzählige solche Pakete kommen würden, ließ uns wachsen, uns sehr groß und wichtig fühlen. Es war erhebend.
Damals hatten wir das Gefühl, die Welt zu retten.
Was wäre geschehen, hätten die armen kleinen Afrikaner ohne unsere Waschlappen auskommen müssen? Was es in Afrika für Auswirkungen gehabt hätte, kann ich nicht sagen - meine kleine Welt wäre auf jeden Fall um eine schöne, sentimentale Kindheitserinnerung ärmer.

Vielleicht sollte ich wieder ein Mal einen Waschlappen nach Afrika überweisen.

Kommentare:

  1. Du hast als Kind schon Fluortabletten bekommen? *Ausweis-rauskram* Also entweder gehts in W fortschrittlicher zu oder ich bin doch schon älter als ich dachte. :( Bei mir gabs kein Fluor, bei mir wurden die Zähne alle gebohrt.
    Ich hab meinen Kindern die Dinger jahrelang gegeben und irgendwann aufgehört, weil ich dachte, das kann ja nun nicht ewig so gehen.
    Als ich dann ein paar Monate später beim Zahnarzt mit ihnen war, schaut er in den Mund, dreht sich zu mir um und meint - wie lange geben Sie denn schon die Fluortabletten nicht mehr? Ich hätte mich am liebsten in die Schublade verkrümelt.

    Der Waschlappen, wurde glaube ich zwischenzeitlich von Plan International abgelöst ;-). In unserer Schule gibt es mehrere Klassen, die ein Patenkind betreuen. Und sind ganz eifrig dabei.

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  2. and die fluortabletten kann ich mich noch gut erinnern, aber sanostol gabs bei uns nicht ...

    wenn ich mich in der aktuellen politischen und wirtschftlichen landschft so umsehe, könnten wir doch eine ganze menge waschlappen nach afrika schicken ... ob das den menschen dort allerdings helfen würde ......

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  3. Strandläuferin, tröste dich: bei uns gab es Fluor UND Bohrer.
    Auch ich habe das Fluor bei meiner Tochter recht bald wieder abgesetzt und mein Zahnarzt hat mich beruhigt: Es ist ausreichend im Trinkwasser enthalten, sagt er.

    psmola ... :^D)))

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  4. ham auch nix genützt die fluortabletten, habe ewige großbaustelle im eßzimmer

    war die woche erst wieder bei meiner zahnärztin um einen kv einzuholen und denke jetzt drüber nach, wie ich an einen altbausanierungskredit komme

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  5. Wir hatten auch nur Flourtabletten, Sanostol höchstens zuhause und das auch nicht immer.

    Aber sag mal, ihr habt das Zeug ohne Wasser nach Afrika verschickt? Wie soll man sich ohne Wasser Hände mit Seife waschen und Zähne putzen??

    Ach ... Trockenseife. Ich verstehe.

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  6. Hmmm ... also darauf, dass ja die eigentliche Mangelware das Wasser ist, bin ich bis heute nicht gekommen ... *grübel*

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Biiitescheeen-daaankescheeen-allesGute!