U-Bahn-Polizei



Gegröltes Lamentieren in der U-Bahn-Station ist ja nichts Ungewöhnliches. Normaler weise ist es ja auch nach 2 oder 3 "Sätzen" gut und der Urheber verliert den Faden, verlässt die Station oder schläft friedlich wieder ein.
Der Gröli von heute Früh allerdings war ungewöhnlich ausdauernd. Nach dem der unregelmäßige Textfluss nicht versiegen wollte, wurde ich doch neugierig und wollte die rote Nase zur Stimme sehen. Und wie ich mich so in Position bringe, damit die dicken Säulen mir den Blick frei geben, sehe ich einen Polizisten und ich denke: "Na sixtas. Is eh ana do."

Und dann erst beginnen sich Bild und Ton zu einer Einheit zu fügen - die Tonspur gehört zum Polizisten. Der Polizist ist umringt von einem zappelnden Kükenschwarm im Kindergarten- oder höchstens Erstklässleralter, die ihn dicht umdrängen und eifrig die Hände hochstrecken, mit Aufzeigefingern, die sich ihm schon beinahe in die Nasenlöcher bohren. Und während die Lehrerin oder Tante das Grüppchen unentwegt wie ein Hirtenhund umrundet und die Kleinen zusammentreibt, obwohl sie sich eh schon an der Uniform hochzuschieben drohen, hält der Herr Polizist einen höchst professionellen Vortrag über Sicherheit und richtiges Verhalten im Stationsbereich.
"Oisooo, wos passiat, wannst do ... do auf die Schiinan ... obefliagst? Wos glaubts? Na, wannst do obifliagst ... auf die Schiinan ... dann bleibt von dia genau so vü iba ... ois wia ma zamkeean koo."
Und dazu macht er die theatralische Geste des Zusammenkehrens mit Schauferl & Besen.
"Des nennt ma dann a volle Vabrennung. Do is nämli Strom untn. Vü Strom! ... Wos? ... Wos? ... Asoo, jo woswasii ... 7000 Volt?"
Woraufhin Gezappel und Gezwitscher versiegen, sogar die Hände verschwinden kurz nach unten. Die Menge ist beeindruckt. Aber nur kurz, dann geht es schon wieder los. Fragen über Fragen und die Finger sind wieder verdammt nah an der Nase des Polizisten.

Er spricht übermäßig laut, er hat den "tiafstn" Wiener Dialekt, den ich seit langer Zeit gehört habe und er eröffnet völlig neue Aspekte in Sachen technische Erklärungen und Pädagogik und er ist irgendwie rührend, wie er da mitten in dem zappelnden Haufen steht, sich zu jeder Frage eine Antwort aus den Fingern saugt und manchmal das Kinn seitlich hochreckt, um seine Nase freizuhalten.

Herrlich. Kurz habe ich überlegt, die Kamera zu zücken (war dann aber zu feig) und kurz habe ich überlegt, eine U-Bahn durchzuwinken und erst die nächste zu nehmen (war dann aber doch zu spät dran). Schade. Ich bin sicher, auch der Rest des Vortrags wäre hörenswert gewesen.

Kommentare:

  1. wer so schöne illus zeichnen kann braucht keine cam!!!

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  2. Oh, danke sehr! *rotwerd* :^)

    Oder willst du dir so nur meine Kamera erschleichen? Vergiss es, Schatz!
    :^D)))

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  3. wo er recht hat, hat er recht ... schön dokumentiert :-)

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  4. Auf die Idee wäre ich Dummchen gar nicht gekommen, dass das selbst gezeichnet ist. Boah :-o
    Ich wünschte, ich könnte das - für die Schulzeitung wäre das genial.
    Hut ab, klasse :-)

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  5. päd-polizist - kann mir das bildlich vorstellen :D

    und die illu ist supergut, hittn-wirtin

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  6. Boah. Phagerli die Illu ist der Hammer. Sowas malst Du doch nebenbei beim Telefonieren oder? *neid*

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  7. Aha, du kannst also nicht nur gut fotografieren. ;-)

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  8. Stimmt, coole Illu, aber da war ich auf die Frau Petzy schon immer stolz. Das kann sie und noch viel mehr.

    :-)
    Peter

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