Klingelingeling!

24.12.2009

9.45 Uhr
Der Adventkalender ist leergeräumt.

10.15 Uhr
Der Weihnachtsbaum trifft ein und hat meinen Süßen im Schlepptau. Mikroskopisch ortbare Verstimmung ob Wiener Parkraumbewirtschaftung (Parkscheinpflicht am 24.12. bis 22.00 Uhr) und Öffi-Regelung (Feiertagsintervalle mit entsprechender Überfüllung wegen der Parkscheinverweigerer). Halb- (aber nur halb) belustigte Erzählungen von Bemerkungen anderer Fahrgäste zum Weihnachtsbaumtransport ("Cooles Timing, was?").

10.30 Uhr
Die Kartoffeln werden nicht weich. Tochter meint auf suggestive Anfrage meinerseits, Weihnachtsbaumschmücken wäre doof. Weihnachtsbäume auch.

11.00 Uhr
Im Supermarkt sind Suppengrün, Beifuß, Sellerie, Cola in großen Flaschen, Windringe und Speckwürfel ausverkauft.

11.45 uhr
Tochter - inzwischen blond mit roten Flecken und blauen Strähnen, passend zum Manson-make-up - zieht mit Freundin von Tannen ( <- Haha! Gut, oder?!).

13.00 Uhr
Baumi zeigt sich ohne Netz relativ ausladend. Nächstes Jahr bleibt das Netz dran.

13.03 Uhr
Mit der Küchenschere am Baum zugange, schlimmste Überstände beseitigt. Schnittstellen müssen wohl später irgendwie wegdekoriert werden. Standort irgendwie suboptimal.

13.05 Uhr
Einige Möbelstücke müssen aus dem Wohnzimmer ins Arbeitszimmer gestapelt werden.

13.10 Uhr
Nein, ich weiß nicht, wer die Lichterketten letztes Jahr beim Wegräumen so verheddert hat. Sehr witzig. Kreis der Verdächtigen beschränkt sich (wie wahrscheinlich in jedem Haushalt) auf die Dame des Hauses. Na und? Ich kann damit leben.

13.12 Uhr
Der Süße ist erschöpft und muss sich ein Viertelstündchen hinlegen.

13.20 Uhr
Ich habe wohl schon den ganzen Tag das T-shirt verkehrt an.

13.30 Uhr
Zwei Lichterketten, eine Schachtel Kugeln, eine Packung Schokoschirmchen. Muss genügen. Früher hatte man auch nicht so viel. Die einzeln in weiches Papier gewickelten (über Jahre leibevoll zusammengesammelten) Prachtexemplare mehr oder minder ausgefallener Baumdekoration bleiben in der Kiste.

13.35 Uhr
Tochter ist wieder da, sieht Baum, sieht mich fragend an. Der ist fertig, sage ich. Tochter greift in die Kiste mit den einzeln verpackten Prachtstücken. "Wer es auspackt, muss es auch wieder einpacken" stelle ich vorsichtshalber klar. Augenrollen. Wickelt ein Stück aus und hängt es auf. Versinkt mit Meerschweinchen am Schoß in den Polstersessel, der vorläufig noch den Zugang zu Küche verstopft. "Fertig?" frage ich. "Mh. Wer's auspackt, muss es ja wieder einpacken".

14.09 Uhr
Die Meerschweinchen beflegeln sich und rütteln an den Gitterstäben - ach ja ... Käfig putzen!

14.10 Uhr
Gleichmäßige Schnorchelgeräusche aus dem Nebenzimmer und Schluckauf mit Keyboardklappern aus dem zugestapelten Arbeitszimmer aber Tannenduft im Wohnzimmer.

14.12 Uhr
Die riesige Kiste mit der ganzen - nicht ausgepackten - Weihnachtsdeko auf den Möbelturm im Arbeitszimmer gehievt.

14.28 Uhr
Sitze mit Kaffeechen am Computer und stelle mir die Sinnfrage. Weihnachten 2008 - ohne Geschenke am Meer unter Palmen - war genaugenommen eine richtig coole Lösung und kam kaum teurer als der Wohnzimmerweihnachtsspuk in Summe.

14.36 Uhr
Fernseher eingeschaltet. Wenn die vom ORF mich fragen warum ich heuer meine Beitragszahlung verweigere, werde ich ihnen sagen, sie sollen sich einfach meine Einzahlungen der Vorjahre ansehen ... ich sehe mir ja auch ihr Programm der Vorjahre an. Sollte einleuchten.
(Ja, ich weiß: So was zu schreiben ist gar nicht schlau, wenn man - rein hypothetisch jetzt - irgendwann vor hätte, sich da um einen Job zu bewerben, aber lasst es uns als künstlerische Freiheit betrachten, ja? Danke!)

15.01 Uhr
T-shirt immer noch verkehrt. Umdrehen zahlt sich jetzt aber auch nicht mehr aus.

15.06 Uhr
Tochter erscheint und fragt, ob sie mit ihrer Freundin im Sommer nach Sri Lanka fliegen kann. Ich überschlage in Sekundenbruchteilen ihre Gesangsstunden, Gitarrenstunden, Mathematiknachhilfe, Fixkosten und Reserven, betaste mit der Zungenspitze den bereits chirurgisch aufbereiteten Teil meines Oberkiefers, der demnächst 1.600,- Euro für eine (Seufzer-)Brücke verschlingen wird, überdenke die Situation der Firma, für die ich zur Zeit arbeite und die globale Gesamtsituation, verschwende einen wenig weihnachtlichen Gedanken an meinen Ex und merke an ihrem Blick, dass sich in meinen Zügen offenbar Verzweiflung breit macht. "Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen" fällt mir ein und dass diese ganzen vermaledeiten Weihnachtsmärchen immer was entzetzlich Tragisches haben. Ich hätte es ihr so gerne erlaubt. Ich hau' mir jetzt einen Schuss Cointreau in den Kaffee.

15.24 Uhr
In meinem Kopf wird aus dem süßen "Klingelingeling!" langsam ein bedrohliches "Ho-ho-ho!", das schleichend zu einem schadenfrohen "Kch-ch-ch!" wird um voraussichtlich in einem gruseligen "Harrr-harrr-harr!" zu enden.



17.06 Uhr
Ach, jetzt weiß ich es wieder: Wenn mein kleiner Manson-Verschnitt dann unter dem Tannenbaum sitzt, halb vergraben in Geschenkspapier und strahlend wie damals, als sie noch lange Zöpfe hatte und zu Weihnachten ein Samtkleid trug ... das ist es, wofür man sich das immer wieder antut!
"Klingelingeling!" :^)

Kommentare:

  1. So...schön langsam glaube ich dann auch an die Erscheinungen in Lourdes und so'n Zeugs. Ich war mir 100% sicher, dass ich schon einen Kommentar abgegeben hab...scheiß Alzheimer...ich dachte immer man vergisst da irgendwelche Sachen, nicht dass man sich an was erinnert, das gar nicht passiert ist...
    Nun denn...auf ein Neues:
    ...so...jetzt fällt mit partout nicht mehr ein, welch geistreichen Kommentar ich beim letzten Mal abgegeben hab...sag ich halt nur: Euch auch alles Gute für's neue Jahr...

    AntwortenLöschen
  2. Ja, so ist das mit dem Älterwerden. Kenne mich in dem Bereich auch schon ganz gut aus.
    Euch auch einen guten Rutsch und alles Gute für's neue Jahr!
    :^)

    AntwortenLöschen

Biiitescheeen-daaankescheeen-allesGute!