definiere: Heiratsschwindler

Die Türen schließen sich, der Zug fährt los. Langsam und selbstsicher wie ein Kontrolleur spaziert ein junger Mann - Mitte 20, mittelprächtig zugedrönt (sicher?), mit Hut und dunkler Sonnenbrille, einige Papiere in der Hand - los.
Bei gedämpfter Lautstärke, moderat sympathischem Tonfall und auffallend klarer Aussprache lässt er seinen Vortrag vom Stapel.
"Guten Tag, befindet sich in dem Waggon vielleicht a Türkin, oder kennt wer a Türkin, die mi heiraten würd? I mecht nämlich die türkische Staatsbürgerschaft annehmen."
Kurze Pause, in der sich das Gehörte setzen kann.
"I brauch a Wohnung und als Österreicher krieg i kane."
Er wartet tatsächlich auf Antwort, lässt den sonnenbrillenverdeckten Blick über die Fahrgäste schweifen.
"Na? Niemand?"
Er lässt die Unterlagen, die er abwartend an seine Brust gehalten hatte sinken und begibt sich zur Tür. Die U-Bahn fährt in die nächste Station ein, er steigt aus.
"Trotzdem danke. Schenan Tog no - lang lebe Strache."

Und jetzt frage ich mich:
1. War das ein bezahlter Jungschauspieler, der für die Umsetzung einer unglaublich ausgetüftelten und hochprofessionellen wie moralisch fragwürdigen Psycho-Kampagne einer politischen Partei zur unterschwelligen Manipulation der Bevölkerung engagiert wurde oder
2. fällt das meinerseits schon unter Verfolgungswahn?
3. Kann das ein Symptom des kalten Entzugs nach der hochdosierten Behandlung mit Wahlwerbung in den letzten Wochen sein?
4. Bei mir oder bei ihm?
5. Das vergeht wieder, oder?

Kommentare:

  1. vielleicht eine weitere aktion aus dieser reihe?

    http://derstandard.at/1285199982305/Wien-Wahl-Mundabstrich-als-Beweis-Oesterreicher-zu-sein

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  2. 1? Nachdem die Wahlen schon vorbei sind, würde ich diese Erklärung eher anzweifeln, vorher hätte ich das ohne weiteres "geschluckt".

    2? Nein

    3? Leicht möglich

    4? Definitiv er! Da bin ich mit sicher!

    5? Da bin ich mir weniger sicher...

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  3. blogg-hittn-wirtin22. Oktober 2010 um 20:38

    @ bibib
    Das ist ja voll gruseilg. Und am gruseligsten finde ich, dass noch keiner (der nicht wusste, was da "gespielt" wird) gekommen ist, und denen die Bude über den Haufen geschoben hat. Und am allergruseligsten finde ich die Leute, die da mitmachen und sich vermessen und testen und abfragen lassen. Mir bleibt die Spucke weg. Jeder Schimpanse kapiert irgendwann, dass man von Manchem eher die Finger lässt. Der Mensch ist da hingegen ganz gut lernresistent. Und wieder erwacht in mir die Sehnsucht nach einer einsamen Insel oder einer absurd abgelegenen Almhütte - egal - nur fern ab der Menschheit. Nur keinen mehr sehen und hören und riechen müssen.

    @ Michi
    Das beruhigt mich jetzt nur zum Teil!
    :^D)))

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  4. tja, genau: gruselig. ich hatte das zuerst nur überflogen, sofort ein bild von strache im kopf und anfangs (das kann doch nicht wahr sein, sind die denn jetzt völlig übergeschnappt) noch ernst genommen, weil ich mir absolut nicht vorstellen konnte, dass man sich damit einen "spaß" erlaubt. irgendwie hat mich die "auflösung" dann auch nicht wirklich beruhigt ... *resigniert den kopf schüttel*

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Biiitescheeen-daaankescheeen-allesGute!