facebook in den 970er-Jahren des vorigen Jahrtausends



Liebe Kinder!

Heute möchte ich euch erzählen, wie es damals war. Damals, als wir noch Kinder waren. Das waren ganz andere Zeiten. Wir hatten es nicht leicht.
Fanta war noch knallorange und hinterließ kaum abwischbare Halbkreise von den Mundwinkeln bis zu den Augen. Skischuhe waren aus Leder, Rollschuhe waren zweispurig, wurden über die Schuhe geschnallt und mussten mit Hilfe eines Schraubenschlüssels mitwachsen, bis wir zu alt für den Spaß waren. Legosteine waren quaderförmig, Karussellfahrten gab es zwei Mal im Jahr (eine auf der Frühjahrsmesse und eine auf der Herbstmesse). Das Fernsehprogramm begann um 18.00 Uhr und endete rund um Mitternacht. Danach gab es die Bundeshymne, das Testbild und dann Rauschen bis es wieder 18.00 Uhr wurde. Außer Mittwoch: Da kam schon um 16.30 Uhr der Kasperl.

Und damals trug es sich zu, dass ich - wie alle anderen Kinder, und zitternd vor Angst, eine Abfuhr zu erhalten - mit meinem Stammbuch hausieren ging.
"Schreibst du mir was rein? Ja? Super! Aber bitte nur rechts. Die linken Seiten frei lassen, ok? Und bitte nicht irgendwo sondern gleich nach dem letzten Eintrag! Und ein Löschblatt einlegen, damit sich nichts durchdrückt. Und keinen Tintenkiller verwenden, ja? Und wann bekomme ich es denn wieder? Kannst du es gleich heute machen, damit ich es morgen wieder habe?"
Und dann begann ein oft wochenlanges Erinnern und Betteln und Nachfragen und dann hatte man das Buch endlich wieder und die Spannung beim Aufschlagen und Suchen nach dem neuen Eintrag war unbeschreiblich.

Nunja. Heute läuft das alles anders.

Jedenfalls werde ich euch in der nächsten Zeit nach und nach zeigen, was man sich in den 1970ern so ins Stammbuch schrieb. Als Einstieg seht ihr da oben schon einmal den Einband und hier unten die erste Seite innen links.


Der kaum noch lesbare, mit Bleistift geschriebene Text lautet:
(bitte keine Blätter'rausreisen und linke Seite freilassen!)

Kommentare:

  1. blogg-hittn-wirtin17. Januar 2011 um 10:04

    Retro ist ja voll angesagt. Da fällt mir ein ... ich wollte dem Artikel ja als zweites Label noch "in Würde altern" umhängen. Muss ich gleich nachholen.
    ;^)

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  2. Was haben wir Jungs eigentlich damals gemacht? Das war doch "Mädchenkram" Poesiealben, Tagebücher... So ging es mir als sechziger Jahrgang zumindest. Ich hatte ein Bonanzafahrrad, eine Märklineisenbahn mit Faller- und Revellbebauung. Schon 1969 kam ein tragbarer Einknopf-Kassettenrekorder von Philips in meinen Besitz und so wurde damals schon alles aufgezeichnet, was mir vor's Mikro kam, selbst ich hab dort meine Geschichten hinterlassen, Füller und Hefte blieben im Tornister. Vielleicht kann ich auch deshalb heute mit Facebook, VZ und Co nicht viel anfangen. Ganz anders ist das heut mit unseren Kids. Mein Sohn (fast 30) ist ein ausgesprochener Social Network Freak. Weichei :D

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  3. blogg-hittn-wirtin18. Januar 2011 um 19:59

    Oh, mein Gott ... ein Bonanzafahrrad! Mit so was war man damals ja faktisch ein Gott. Ich bekomme noch heute feuchte Hände, alleine von dem Wort ... Bonanzafahrrad.
    *seufz*
    Schimpf deinen Sohn nicht Weichei! Scheint ein clevers Kerlchen zu sein. Ich meine: Wo geht man angeln, wenn nicht da, wo die Fischlein sind?
    ;^)

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