das große Schulterzucken


Letztens stehe ich in der Station und warte auf die U-Bahn. Der Zug auf Gleis 1 verweilt verdächtig lange um schließlich die Passagiere per Durchsage hinaus zu komplimentieren. Auf Gleis 2 tut sich nichts. Wie - auf Grund der in vollem Gang befindlichen Stoßzeit - absehbar, füllt sich die Station zusehends mit Menschen.

Ein erstes irritiertes Schnuppern, ein zweites irritiertes Schnuppern ... Brandgeruch. Ich sehe mich um, prüfe die Reaktionen der Anderen.

Nichts.

Der Geruch verstärkt sich.

Nichts.

Auf der Anzeige blinken abwechselnd die Worte "Störung" und "Alle Züge Gleis 1". Ich bewege mich Richtung Treppe.

Nichts.

Ich bleibe am Fuß der Treppe einen Moment stehen, lasse den Blick über die Masse gleiten.

Nichts.

Der Geruch hat sich inzwischen zu beißendem Gestank verdichtet, Rauch wird als bläulich-weißer Schleier in der Luft über den Köpfen sichtbar.

Nichts.

Über die Rolltreppe strömen mehr und mehr Menschen in die Station herunter. Mit Kindern, mit Kinderwagen. Ich schätze die Situation ab und komme zu dem Schluss, dass der Zeitpunkt, an dem Alle die Station im Notfall "geordnet" verlassen könnten, weit überschritten ist. Die Zahl der Wartenden in Relation zu den Entfernungen zu den Treppen und deren Höhe und Breite und das kuhartige Verhalten der Menge lassen vor meinen Augen Bilder von Totgetrampelten am Treppenansatz erscheinen.

Lange genug gewartet. Ich nehme die Treppe in Angriff - gegen den Strom. Ich fühle mich ein bisschen unsane in the mainbrain, aber was soll's? Lieber ausgelacht als umgekommen. Wenn es da unten zur Sache geht, bin ich schon oben.
Oben, in der Halle angekommen, begegne ich ein paar Unentschlossenen. Die Halle ist bereits vom Gestank aus der darunterliegenden Station gefüllt, aber der Herdentrieb siegt. Sie steigen schlussendlich alle, ausnahmslos!, auf die Rolltreppe und fahren runter. Beim Blick zurück sehe ich, dass die Station inzwischen so voller Menschen ist, dass es keinen Leerraum mehr zwischen den Wartenden von Gleis 1 und Gleis 2 gibt. Voll. Rappelvoll. Einige Wenige verharren am Treppenabsatz und beobachten das Ganze, Hunderte stehen wie die Schafe im bläulichen Rauch. Warten die, dass eine Lautsprecherdurchsage kommt? Bitte verlassen Sie die Station - jetzt: Panik!

Wie kommt das, dass Menschen in einem schwer zu verlassenden Raum bleiben, der sich zunehmend mit Rauch füllt?
Dass Frauen mit Kinderwagen sich da hineinbegeben?
Wo bleibt der Instinkt?

Und heute erzählt mir der Süße, dass es bei ihm im Laden einen Feueralarm gab. Ohrenbetäubender Sirenenalarm, Brandschutzwände, die sich aus dem Nichts durch den Raum schieben, Feuerwehrmänner, die in voller Montur und mit Atemschutz zum Eingang hereinmarschieren und Kunden, die hinter diesen Feuerwehrmännern her in den Laden geschlendert kommen und Kunden, die brüllend Infos zur Ware haben wollen, weil sie die Sirenen überschreien müssen.
Der Alarm dauerte gute 20 Minuten. Ist es sehr böse, wenn man sagt: Wen es nach 20 Minuten Alarm erwischt, der wollte es nicht anders?

Leute, geht's noch?

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