Sonnenschuss & Hirnfussel


Also, ich habe ja wenig mit Menschen zu tun. Um so mehr verblüfft mich diese Spezies, wenn ich mich gelegentlich ausführlicher mit ihr auseinandersetze. Wie gestern am Flohmarkt. Unter dem Motto "Alles muss raus!" stand ich da mit einer Freundin und bot den häuslichen Überschuss feil.

Unter einer Menge Krimskrams, den kein Mensch - sogar ich nicht - braucht, hatte ich z. B. ein paar Schuhe. Sehr schicke, cognacfarbene Stiefeletten. Leder, nie getragen (alle Anhänger und Aufkleber noch dran, die Sohlen haben - außer beim Probieren den Teppich - noch nichts berührt). So schön, dass ich erwog, mir die Zehen abzuschneiden, um doch noch reinzupassen. Beim Probieren im Laden wohl Stroh im Kopf gehabt. Keine Ahnung. Die Dinger haben über 30 Euro gekostet, weit mehr, als ich sonst für Schuhe ausgebe.
Dumm gelaufen.
Kommt vor.

Ich hatte gehofft, 15 Euro dafür zu bekommen. Alles andere am Tisch gab es zum Schleuderpreis und konnte auch gerne noch runtergehandelt werden, sonst macht Flohmarkt ja keinen Spaß. Bei diesen Schuhen wollte ich aber im Sinne der Schadensbegrenzung im gerade noch zweistelligen Bereich bleiben. Nachdem schon einige Interessenten sie in der Hand gehabt und in Anbetracht des Wucherpreises wieder zurückgestellt hatten, schraubte ich meine Erwartungen runter auf 10 Euro.

Eine Lady entdeckt von Weitem die Schuhe, kommt zielstrebig zu meinem Stand, probiert, stellt strahlend fest, dass die toll sind und perfekt passen. Sie fragt, ich sage zehn. Sie sieht auf ihre Füße runter, als ob sie plötzlich knöcheltief in toten Fischen stehen würde, zieht sie aus und stellt sie zurück. Ein paar Sekunden lang starrt sie die Schuhe noch an und murmelt dann was von wegen vielleicht später wieder kommen.
Später kommt sie wieder, wiegt einen Schuh in der Hand und sagt acht.
Ich sage, nein, sorry, zehn. Drunter geht nicht.
Darauf knallt sie das gute Stück zurück auf den Tisch, faucht mich an, die wären ohnehin schon von der Sonne geschossen

Hä!? Was!? WO!?

und dampft ab.

Kurz später angelt sich eine Lady den gestreiften Pulli aus der Kiste, der ein Paradebeispiel für Fehlkauf ist. Ich fand den toll, bis meine Lieben zuhause die Nase rümpften, als ich die Beute freudig aus dem Einkaufssackerl zog. Ich drehte mich mit vorgehaltenem Pulli zum Spiegel und stellte fest: Richtig. Steht mir überhaupt nicht. Jungfräulich wie die Stiefel landete er also am Flohmarkt.
Die Lady hält den Pulli mit spitzen Fingern hoch wie eine tote Ratte, sieht mich fragend an,
ich sage, einen Euro,
sie sagt 50 Cent,
ich sage - den Kopf schräg gehalten, lächelnd bettelnd - tut mir leid, nein, einen Euro ist der schon wert.
Wutentbrannt pfeffert sie ihn zurück und mault, der wäre ohnehin schon komplett fusselig.

Hä!? Was!? WO!?

Ich danke dem Universum, dass ich im echten Leben einen Stilles-Kämmerlein-Job habe. Ich bewundere alle, die den ganzen Tag mit Menschen zu tun haben und nicht regelmäßig Amok laufen. Und die, die es doch tun, kann ich ansatzweise verstehen.
Oder hat das Universum schon gewusst, warum es mich mittels Stilles-Kämmerlein-Job von der Menschheit fernhält? Wie auch immer - es ist für alle Beteiligten besser so.

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