magischer Moment "Lesestunde"


Oma im Haus.
Mama am Zaun.
Mimi und Mama im Garten.

Diese Bildunterschriften und die dazugehörenden Illustrationen haben sich tief in meine Seele gegraben. Wenn ich (an) diese Sätze aus "Lesen und Schreiben*, Band 1" denke, steigt in mir ein wohlig-sentimentales Gefühl aus einem anderen, fernen Leben hoch. Mit jedem neuen Buchstaben, jedem neuen Wort, jedem neuen Satz, den ich konzentriert mit dem Finger unterstreichend erobern konnte, hat sich eine neue Welt aufgetan.
Ich weiß noch den Namen meiner Volksschullehrerin, an das Gesicht der alten Dame kann ich mich nicht erinnern. Aber vielleicht war die alte Dame auch erst Ende 30 und erschien nur mir Dreikäsehoch so steinalt?
Die Gerüche dazu sind alle noch da: der Turnsaal, der Tafelschwamm, das Sanostol, meine Schultasche (ein olfaktorischer Horrormix aus Leder, ranzig-fossilen Butterbrotresten, gequetschtem Apfel, aufgeplatzter Deckweißtube, feucht-fröhlichem Malfetzen und den abgespitzten Bleistiftspänen, die sich im Federpenal sammelten), genau so, wie mir das hysterische, viel zu laute Schrillen der Pausenglocke noch in den Ohren gellt und genau so wie Dr. Rudolf Kirchschläger, der mich bis in alle Ewigkeit in Schwarz-Weiß anstarren wird.

Als routinierte Bücherfresserin nehme ich den eigentlichen Vorgang des Lesens natürlich nicht bewusst wahr. Manchmal aber bleibe ich auf meinen täglichen, langen Lesereisen in Bus und U-Bahn kaum merklich an irgendeiner Buchstabenkombination hängen und plötzlich - flash! - steht Mama am Zaun und der Ilja Rogoff neben mir müffelt wie meine tonnenschwere Schultasche und das Wunder Lesen wird mir für einen Augenblick vage bewusst.

Diesen seltenen Moment mag ich ziemlich gerne.
Wollte ich einfach 'mal erzählen.
Und jetzt lesen Sie weiter bitte - es gibt hier nichts Besonderes zu sehen.

Mama # Mimi # Mama # Mimi # Mama # ... und bei euch so?

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Biiitescheeen-daaankescheeen-allesGute!