MDNA ist das neue ATA

Was früher "Artisten, Tiere, Atraktionen" hieß, läuft jetzt unter MDNA.
Nur ohne Tiere.
Dafür mit Madonna.

Ich war gestern dort und hab's mir angesehen und ich sag' euch was: Wenn wir da nicht zu dritt mit zwei Freikarten und einem Schwarzmarktticket um € 45,- (also um € 15,- pro Nase) reingekommen wären, wäre ich richtig sauer. So ein Zirkus.

Die Bühne bombastisch, die Show beeindruckend, das Licht vom Feinsten, die Videoeinspielungen großartig. Kurz: Madonna punktet auf dieser Tour rein durch technischen KO und das ist gut so. Denn wäre man nicht trotz größtmöglichem Abstand zur Bühne permanent damit beschäftigt, sich gegen die Bässe zu stemmen, die einem ans Brustbein boxen und an den Hosenbeinen zerren, würde man glatt mitbekommen, dass die Dame mit dem Micky Mouse-Stimmchen ziemlich auf ihr teuer zahlendes Publikum pfeift.

Mit 65minütiger Verspätung drosch sie uns einen akustischen Tsunami um die Ohren. 115 Minuten ohne Luft zu holen, das gesamte Programm in einer Wurst. Am Ende: Licht aus und weg. Keine Chance fürs Publikum, feedback zu geben. Interessiert eine Madonna doch nicht, ob's denn Leuten gefällt. Eiskalt.

Die erste Nummer - so weit man das in dem Getöse feststellen konnte - ähnelte in schon peinlicher Ausprägung einem Tarantinofilm und dem wunderschönen Bang Bang von Nancy Sinatra, das ja in "Kill Bill"  zu neuen Ehren kam, nur dass Madonnas "Bang, bang, i shot you dead; i shot my lover in the head" durch permanente Wiederholung dieses Satzes, endloses Umsichgeschieße und sinnloses Hinmetzeln unzähliger "Opfer" mit 500 qm großen Einblendungen von Blutgespritze ziemlich abstank. Einzig beeindruckend daran war, zu sehen, wie sie in Highheels eine Wand hochkletterte. Dass sie dabei ein Kruzifix, das an der Wand hing als Tritthilfe nutzte und währenddessen auch auf den großen Leinwänden Schatten von Kreuzen in Flammenmeeren zu sehen waren, störte sogar mich, die ich vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten bin und auch ansonsten nicht besonders religiös oder pietätsvoll bin. Kein Wunder, dass sich Kirchentreue auf den Schlips getreten fühlen. Ich fand's unschön.
Gegen Ende der zweiten Nummer (sofern man als nicht Kundiger genau ausmachen kann, wo eine Nummer aufhört und die andere anfängt), wurde sie von ein paar monsterartigen Unholden gefesselt und weggetragen und kurz dachte ich: Uff, überstanden - aber nein, sie kam wieder raus und es ging weiter. Streckenweise war die Musik so öde, dass man sie nur noch wie extremen Baustellenlärm wahrnahm und lethargisch sinnierte, ob man die Küche nächstes Mal wieder in Weiß oder doch mal in Créme streichen soll. Kunstgenuss? Fehlanzeige.

Zwischendurch fragte sie herablassend und angepisst, ob wir denn überhaupt auch nur ein einziges Wort verstehen würden, von dem, was sie da erzählt. Das war wohl der emotionale Höhepunkt an diesem Abend. Leider kein positiver.

Gut, ok: Eine taffe, durchtrainierte Frau, die Musikgeschichte geschrieben hat und sich blitzartig umstylen kann. Sie kann ein mehrere Stunden langes Aerobicprogramm durchziehen, in Highheels Wände hochklettern, Bodenturnen, Seiltanzen und wer weiß, was alles noch - aber einem Publikum das geben, wofür es (teuer!) bezahlt hat, das hat sie irgendwie nicht (mehr?) drauf. Auch wenn sie stundenlang performend bis an die körperlichen Grenzen geht - sie wirkt wie aus Holz geschnitzt. Was nützt die laszivste Choreographie mit halbem Striptease, wenn der Hüftschwung ähnlich weich und verführerisch ist, wie der des kindlichen Forrest Gump mit Beinschienen?

Einer ihrer Ex-Männer gab als Grund für die Trennung an, es sei eben unmöglich, mit einem angespannten Bündel aus Knorpeln und Sehnen zusammen zu sein ... ich kann mir jetzt vorstellen, was er gemeint hat.

Ach, fast hätte ich es vergessen: Dieser Vorgruppenkasper, der Stimmung hätte machen sollen, ist leider nur im Trainingsanzug herumgehopst und hat zu schlecht remixten Althadern den Hampelmann gemacht. Wie auch immer: Wenn er es wirklich geschafft hätte, das Publikum aufzuheizen - was er definitiv nicht zusammenbrachte: In der Stunde, die wir dann auf die Frau Superstar warten durften, wäre ohnehin jegliche Stimmung verpufft und die Masse abgekühlt. War also auch schon wurscht.

Nö Frau Ciccione - so leider nicht, gell!

1 Kommentar:

  1. Da kann ich als Kontrastprogramm P!ink anbieten, die ich vor zwei Jahren mit Fr. Tochter in Linz erleben durfte. Jaja...nicht gesehen hab, nein ERLEBEN DURFTE! Tolle Show, tolle Stimme, tolle Choreographie, Fr. Pink gnadenlos sexy...einfach ein wunderschönes Konzert...jederzeit gerne wieder! :)

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Biiitescheeen-daaankescheeen-allesGute!