the beauty of the beast

Morgens in der U-Bahn.
Dieser unsympathische Kerl, von oben bis unten ein einziges fieses Klischee. Kurz geschorene Haare, aerodynamische Sonnenbrille in die Stirn hoch geschoben, tranig-angepisster Blick, blondes Ziegenbärtchen, Malerklamotten mit Bomberjacke drüber, Energydrink und kalte Zigarette in der Hand, neonfarbige Turnschuhe. Lehnt - demonstrativ platzfordernd - an einer Haltestange.

Morgens in der U-Bahn.
Diese junge Frau, der plötzlich der Kreislauf wegsackt und die zwischen die Füße der anderen Fahrgäste stürzt und liegen bleibt.

Und dann ist dieser unsympathische Klotz der Erste, der sich aus der Schreckensstarre löst, sich ohne zu zögern zur Verunglückten auf den Boden kniet, ruhig aber bestimmt auf sie einredet, sie leicht an der Schulter schüttelt, ihre Hand nimmt und tätschelt, bis sie reagiert, ihr aufhilft, sie stützt und festhält, bis die Bahn in der nächsten Station zum Stehen kommt, mit ihr aussteigt, sie zu einer Bank in der Station führt und bei ihr bleibt, bis der zu Hilfe gerufene Zugführer herbeieilt, damit sie die junge Frau gemeinsam zur Stationsaufsicht begleiten.

Ich werde es bis morgen 100 x schreiben:
Don't judge a book by its cover!
Don't judge a book by its cover!
Don't judge a book by its cover!
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Kommentare:

  1. Ganz so weit würde ich mich auch wieder nicht aus dem Fenster lehnen ... ;^)

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  2. sowas passiert. selten, aber doch. um so schöner wenn man es dann miterleben darf.

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  3. Ja, es tut schon gut mitzuerleben, dass es unter diesen vielen, vielen Leuten auch ein paar Menschen gibt. Bei speziell dieser Geschichte ärgere ich mich nur wieder mal über mich selbst, weil ich meine Mitmenschen viel zu schnell in Schubladen stopfe - allerdings lasse ich sie auch gerne wieder raus, wenn sie laut genug klopfen.
    ;^)

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Biiitescheeen-daaankescheeen-allesGute!