Keine modernifizierten Testamente mehr, bitte!

Damals, als uns panisch schwitzenden Grafikern die ersten Computer auf unsere Schreibtische gestellt wurden und wir mit zwischen die Zähne geklemmter Zungenspitze die ersten grobmotorisch-spastischen Gehversuche mit der mouse machten und uns verzweifelt fragten, was der Trainer bloß mit "pixel", "cursor" und "shift" meinen könnte, hatte ich einen Kollegen - ein ganz hervorragender Designer übrigens - , der Wörter mit mehr als zwei Silben gerne ein bisschen verdrehte. Bei manchen seiner Wortschöpfungen musste man sich einfach auf die Ähnlichkeit mit sinngemäß passenden Alternativen verlassen.
So kam der Tag, an dem unser Trainer uns erklärte, welche Möglichkeiten das Wunderkastl bietet, wenn man Objekte modifizieren will. Und während ich noch verzweifelt grübelte, was das überhaupt sein soll (sowohl Objekte als auch modifizieren), stellte der Kollege seine erste Frage zum Thema und sagte statt "modifizieren" "modernifizieren". Dazu muss ich anmerken, dass es sich in diesen Fällen nicht um einzelne Vorkommnisse handelte sonder dass er diese Wörter prinzipiell und für alle Zeiten "falsch aussprach". Und dieses eine, kleine, feine Exemplar - "modernifizieren" - hat sich derartig in mein Hirn geprägt, dass es noch heute - nach gut 25 Jahren - regelmäßig aufblitzt, wenn ich im Menü auf "modifizieren" klicke.
Ähnlich aber selbstverschuldet (bzw. Ursache/Verursacher unbekannt) geht es mir, wenn ich ein neues Textdokument anlege. Mein Hirn behauptet steif und stur, es handle sich um ein neues Testament.
Und es macht mich jedes Mal "hrr-hrmpf-uoah!", wenn man weiß, was ich damit meine.
Wie - außer mit zeit- und kostenintensiver Psychotherapie - wird man so etwas bitte wieder los? Beziehungsweise: Wie verschiebt man diese Hirntrolle in die Mir-doch-wurscht-Ecke?

Kommentare:

  1. Klappt nuescht...ich versuche das jetzt seit 24 Jahren mit der putzigen Wortschoepfung "Zironenzemille".
    Und koennte meine Tochter dafuer hassen als sie mir damit als Kleinkind das Gehirn verschwurbelt hat.

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    1. Zironenzemille. Auch sehr schön! Aber nein, ich gebe noch nicht auf, ich probiere das mit dem Rotwein noch ein bisschen.

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  2. Indertat: Gar nicht und nie... Leider! Ich glaube jeder hat ein paar so Worttrolle. Ich habe sogar ein Neues bei Candy Crush: Entferne das verdammte Gelee...
    Ganz schrecklich!
    LG,

    MoselMeg

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    1. Zum Glück spiele ich das nicht. Wie soll's denn richtig lauten? Es klingt ja gar nicht so verkehrt ...

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    2. Eigentlich heißt es: "Entferne das gesammte Gelee" :D
      Fang auch bitte nicht an zu spielen, es is echt süchtig machend... ;)

      LG,

      MoselMeg

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    3. Hmmm ... eigentlich gefällt mir bei allen Beispielen die Trollvariante besser als das Original - oder zumindest sind sie lustiger. Ob diese Erkenntnis die Lösung ist? Einfach akzeptieren und liebhaben? Nach dem Motto "Liebe deine Feind, es treibt sie in den Wahnsinn".
      Einen Versuch ist es wert. Mit Rotwein.

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  3. Beim beschriebenen Symptom handelt es sich um sogenannte Paraphasien. Diese lassen sich einteilen in
    * semantische Paraphasien (Verwechslungen von in zusammenhang stehenden Bgriffen),
    * phonematische Paraphasien (Lautverdrehungen),
    * Neologismen (Wortneuschöpfungen) oder
    * formale Paraphasien (Verwechslung von willkürlichen Wörtern).
    In deinem Fall ist es eine semantische Paraphasie. Ich kenne das von mir mit Tabak statt Asphalt, das ist eine formale.
    Eine stärker ausgeprägtes Syndrom solcher Paraphasien, wie bei Deinem ehemaligen Kollegen, heißt Wernicke-Aphasie. Das Wernicke-Zentrum in der Großhirn-Rinde ist für Sprach-Verständnis und -Kontruktion zuständig.
    Wenn Du es wirklich loswerden willst, dann schreib einen kleinen Text über das Neue Testament, wo Du es mit Umfeld-Begriffen, wie Jesus und Kirche usw verknüpfst. Das gleiche machst Du später mit 'neues Dokument' und Rechts-Klick, neue Ordner, Word, ...

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    1. Jessas, was für ein Aufwand! Da lob' ich mir Leiden, derer man mit einer g'scheiten Penicillinspritze Herr wird!

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  4. Das hätte sich als zweite Option angeboten: die Androhung einer großen Spritze. Funktioniert aber bei Dir wohl nicht. *g*

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    1. Ach, im Normal fall funktioniert das bei mir ganz hervorragend, Allerdings steigt meine Akzeptanz für Spritzen proportional zur Mühsamkeit der Alternativen.

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Biiitescheeen-daaankescheeen-allesGute!