Altersweisheit Nr. 021


So was kommt von so was!

Liebe Jungs (ja, Jungs - hier wird prinzipiell und in diesem besonderen Fall schon gar nicht - gegendert),
heute möchte ich euch eine Geschichte erzählen.

Es muss so um das Jahr 1970 gewesen sein, da ergänzte meine Mutter ihre ohnehin schon umfangreichen Küchenutensilien um kleine Grillspieße aus Metall. Wir kennen sie alle: Diese Spieße mit der Spiralringelung am einen Ende und der Lanzenspitze am anderen Ende. Und im Gegensatz zu den heutigen Modellen waren diese richtig schön spitz.

In weiser Voraussicht untersagte sie uns Kindern, diese Spieße auch nur anzurühren.

Ich aber hatte ein diffiziles Bastelprojekt am köcheln und war auf der Suche nach Lösungen ...
Damals gab es noch keine Sendung mit der Maus, daher wusste ich nicht, wie Bleistifte hergestellt werden und ich wollte aber unbedingt selber einen Bleistift basteln, also ertüftelte ich meine eigene Methode: Ein fingerdickes Ästchen von der Weide zwicken, längs durchbohren und dann irgendwie (über das Wie wollte ich mir Gedanken machen, wenn es so weit wäre) die Mine aus einem Bleistift in den eigenen Weidenstift einfädeln und - voilà! - cooler Naturbleistift!

Im Moment, in dem ich die Spieße sah, war das knifflige Werkzeugproblem für die Längsbohrung auch schon gelöst! Gewartet, bis die Frau Mama um die nächste Ecke war, Spieß gemopst, Weidenästchen mit der Linken fest gegriffen, mit dem Grillspieß an der Schnittfläche angesetzt und mit einer herzhaften Drehbewegung der Rechten die Bohrung eingeleitet.
Was dann passierte, erzählt sich von selbst: Abgerutscht, Hand durchbohrt, geblutet, geschrieen.

Da ich noch nie so richtig zu Mädchenlösungen tendierte und auch noch eine Straftat zu vertuschen hatte, zog ich den Spieß also unter Todesverachtung aus meiner Hand und schaffte es sogar noch tränenblind, ihn verschwinden zu lassen, bevor meine sirenenalarmierte Mutter mir zu Hilfe gerannt kam. Auf schnellstem Weg bugsierte sie mich in die väterliche Arztpraxis einen Stock höher (wie praktisch!). Professionell und routiniert begann er die Behandlung mit einer (in diesem Fall hochnotpeinlichen) Befragung: Unfallhergang, Art und Beschaffenheit des Gegenstandes, der das Loch durch meine Handfläche gestanzt hat usw, usw.

Jungs, was soll ich euch sagen: Die Schmerzen und die Panik waren groß, das Blut sprudelte, die Nase der Mutter war weiß wie die Wand und ich habe standgehalten. In größter Not habe ich gelogen: Es war das Holz, habe ich geheult.
Nun ja ... wie es sich in diesem Fall für eine anständige Wundversorgung gehört, musste der gute Onkel Doktor den Wundkanal also auf Splitter und sonstige Verunreinigungen untersuchen.
Ja, das tat weh. Das tat richtig weh.
Und Jungs, was soll ich noch sagen: Sogar unter Folter habe ich geschwiegen. Nein, ich habe natürlich nicht wirklich geschwiegen, ich habe gebrüllt wie am Spieß (haha!) aber kein Geständnis, das die Tortour sofort beendet hätte, kam über meine Lippen.

Noch heute weckt die Geschichte in mir gemischte Gefühle.
Ich bin stolz auf mich, weil ich geschwiegen habe.
Ich könnte mich ohrfeigen, weil ich mir das angetan habe.
Ich habe gelernt, dass Lügen böse nach hinten losgehen können.

Warum ich euch das erzähle?
Weil mir die Geschichte dieser Tage jedes Mal durch den Kopf geht, wenn ich lese, dass der Playboy keine Nackerbatzeln mehr bringt, weil ihr ja alle eh immer nur die interessanten Artikel gelesen habt.

HAHA, ÄTSCH!
Das habt ihr jetzt davon!
:-D



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